Die Untergang der «Cap Arcona»

Dieser Film ist nicht mein Werk … ich war allerdings der Ideengeber und bin sehr glücklich darüber, dass aus der Idee auch ein Film geworden ist.

Kap Arkona – der Nordzipfel der Insel Rügen. Das kennt man. Dass dies auch der Name eines in den 20er Jahren des vorigen Jahrhunderts sehr berühmten Luxusdampfers war, ist heute kaum noch bekannt. Noch weniger bekannt sind die Umstände des Untergangs der Häftlingsflotte, die unter den Namen des größten ihr angehörenden Schiffes, der Cap Arcona, in die Geschichtsbücher einging: Es diente den Nazis als «schwimmendes KZ», das zum Ende des Krieges versenkt werden sollte.

Es gelang den Nazis, die britische Luftwaffe am 3. Mai 1945 zum (unbewussten !) Vollstrecker dieses Mordbefehls zu machen. Ca. 7.000 Häftlinge aus dem KZ Neuengamme bei Hamburg überlebten diese Katastrophe vor Neustadt/Holstein nicht – die Cap Arcona kenterte.

Dies in aller Kürze zu dem Schiff und seinem Ende. Mehr dazu findet sich in diesem Artikel auf Spiegel online und hier beim Norddeutschen Rundfunk.

Einer der wenigen Überlebenden am 3. Mai 1945  war mein Vater Willi Neurath.

ID-Card_wlli-neurath

Foto: Idenification Card meines Vaters aus dem Jahre 1945  Klick auf das Bild für eine größere Ansicht

Meine Eltern (… sie hatten 1943 in Köln geheiratet und danach wurde mein Vater zum zweiten Mal verhaftet – im Zuchthaus hatte er seinen späteren Schwiegervater Heinrich Pakullis kennengelernt) trafen sich unter dramatischen Umständen am 4. Mai 1945 am Strand von Neustadt wieder: Meine Mutter sah das brennende Schiff am 3. Mai – und wusste nicht, dass ihr Mann an Bord war. Und auch mein Vater wusste nicht, dass seine Frau drei Kilometer entfernt an Land war ….

Im Jahre 2013 habe ich die Idee, dieses Ereignis als Thema einer studentischen Prüfungsarbeit zu verfilmen, Professor Reiner Nachtwey (Fachhochschule Düsseldorf und künstlerischer Leiter des institut bild.medien) vorgetragen.

Professor Nachtwey hat den Vorschlag seinen Studenten Tatjana Krause und Sebastian Kentzler vorgelegt.

Tatjana und Sebastian haben einen 15-minütigen Kurzfilm produziert und diesen für ihre Masterarbeit im Fachbereich Design eingereicht.

In einigen Jahren, wenn auch die letzten Zeitzeug/innen gestorben sein werden, wird sich die Frage stellen, wie wir denn die «Geschichten von damals» noch erzählen können – diese Frage stellt sich ja auch schon heute.

Es wird nur über audiovisuelle Medien  möglich sein – das ist der m.E. beste, weil eindringlichste Weg, die Ereignisse «aufzubewahren» und «erzählbar» zu machen (… abgesehen natürlich von Büchern, Gedenkstätten etc.).

Mein tiefer Wunsch als Sohn eines KZ-Häftlings und seiner Frau, die mit großer Konsequenz und Stärke zu ihrem Mann gestanden hat, war immer, mit der Geschichte meiner Eltern auch einen konkreten Beitrag zur Erinnerungskultur zu leisten.

Am 17. Juli 2015 war der Film erstmals im Rahmen des Tages der offenen Tür der FH Düsseldorf öffentlich zu sehen.

Mit einem enormen Aufwand an Engagement und Kreativität ist Tatjana Krause und Sebastian Kentzler ein beeindruckender Film gelungen.

Bitte besuchen Sie die Webseite zu diesem Film.

Der Film selbst ist >>> hier auf vimeo zu sehen.

Ich selbst konnte im Jahre 1995 anlässlich des 50. Jahrestages der Katastrophe im Auftrage der Wochenzeitung DIE ZEIT eine Archivreise nach London unternehmen – und dort auch mit einem Mitarbeiter der Historischen Abteilung des Verteidigungsministeriums sprechen.

Meinen Artikel vom 28. April 1995 finden Sie hier >>> zum Download.